Geschichte der Streuobstwiesen

Schloss-Ringenberg-06926

Streuobstwiese am Schloss Ringenberg

Noch bis zur Hälfte des letzten Jahrhunderts spielte der Obstanbau auf Streuobstwiesen eine wesentliche Rolle in der Landwirtschaft. Sowohl für die Eigenversorgung als auch für den Verkauf wurden überall in Deutschland – mit einem Schwerpunkt im süddeutschen Raum – Äpfel, Birnen, Pflaumen und weitere Obstsorten angebaut. Bis zum 20. Jahrhundert waren über 6.000 Obstsorten, darunter mindestens 2.700 Apfel-, 800 Birnen-, 400 Süßkirschensorten und 400 Pflaumen bekannt. Durch Zucht wurden viele Sorten für die Verwendung als Tafelobst, Saft, Most und Brand bis hin zum Backobst regional angepasst und verfeinert.

In diese Zeit fällt auch die große Zeit der Pomologie, der wissenschaftlichen Obstbaukunde. Viele der im 19. Und 20. Jahrhundert entstandenen Bücher oder Heftsammlungen gehören auch heute noch zu den Standardwerken der Pomologie und stellen für die Bestimmung alter Obstsorten eine wesentliche Hilfe dar.

Mit ihrem prägnanten Erscheinungsbild prägten Streuobstwiesen nicht nur ganze Landschaften, sie stellten auch einen unverzichtbaren Teil der Landwirtschaft zur Versorgung der Bevölkerung dar.

Aus wirtschaftspolitischen Gründen wurde ab Mitte der 1960er Jahre die aktive Rodung von Streuobstwiesen zu Gunsten von Obstplantagen und anderer landwirtschaftlicher Nutzung betrieben. Bis 1974 zahlte die EU Rodungsprämien für jeden gefällten Hochstammobstbaum. Nach Schätzungen des NABU verringerte sich die Fläche des Streuobstwiesenanbaus in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts um ca. 70%. Von den rund 1,5 Mio. ha sind nur noch 400.000 ha Streuobstbestände übrig.

Mit ihren vielen verschiedenen Obstsorten stellt die Streuobstwiese eine großes Reservoir an genetischer Vielfalt dar. Durch die Züchtung regionaler Sorten entstanden Obstbäume, die speziell an die verschiedenen Standort- und Klimabedingungen angepasst sind. Aber auch für die Vermarktung spielen die unterschiedlichen Obstsorten eine zunehmende Rolle. So werden heute bereits sortenreine Apfelsäfte angeboten, die Einzug in die gehobene Gastronomie gehalten haben.

Heute steht die Streuobstwiese auf der roten Liste der Biotope.